Alltägliches aus Weitfortistan

Bücher könnte ich füllen mit all den Dingen, die ich erlebe! Es sind die vielen kleinen Dingen im Alltag, die immer wieder Überraschungen bieten. Mal ist es das Neue, Fremde oder Unerwartete, mal ist es die Überraschung über den Grad der Gewöhnung, der das Fremde nicht mehr fremd erscheinen lässt.

In Weitfortistan ist die Normalität eine andere. Normal sind hier Bürgersteige mit Hindernissen, Kuhlen, Stolperstellen und Lücken – wie machen es eigentlich die Europäer, dass die Bürgersteige so glatt sind? Die am, über dem und quer zum Fussweg geparkten Autos – wie machen es andere Länder, dass die Autos fein geordnet am Fahrbahnrand stehen? Und Treppen – hier hat jede Stufe ihr Eigenleben hat, die eine groß, die andere klein, die eine kurz, die andere lang!

Auch die Planung von Zeit ist eine andere. Zeit messen, schon etwas seltsam, oder? Und weil das so seltsam ist, muss man den Anblick von Zeitmessern nur selten ertragen. Warum auch – man trifft sich so ungefähr. Wer sich zu Terminen verabredet,  kommt genau dann, oder früher, oder später, oder man kommt und geht noch mal fort und kommt wieder.

Straßen überqueren –  ein besonders interessantes Abenteuer. Denn Ampeln für Fußgänger sind kaum anzutreffen. Wozu auch? Ein Blick auf die Auto-Ampel und schon ist klar, welche Richtung sich gerade bewegen darf: die einen, oder die anderen.

In Weitfortistan hoch geachtet sind Zebrastreifen. Sogar dort, wo sechs Fahrspuren dem Fußgänger eine scheinbar kaum zu überwindende Strecke bieten. Schon auf Entfernung halten die Wagen, blinken, und wundern sich, wenn der Mitteleuropäer sich nur zögerlich auf die Fahrbahn vortastet.

Vertraut und wieder nicht vertraut –  es ist eben Weitfortistan, und nicht Europa!

Schrift in Transformation

Jedes Land hat seine Schrift. Weitfortistan hat zwei Schriften, jedenfalls zur Zeit. Und weil das so wunderbar viele Möglichkeiten bietet, von der einen zur anderen oder auch wieder zurück zu wechseln, sind die Dinge des Alltags in buntem Durcheinander beschriftet.

Da aber die Anzahl der Buchstaben und die damit abgebildeten Laute unterschiedlich sind, kann ein Autor, dessen Name mehrmals zwischen den Schriften hin und her gewandert ist, schnell ganz viele Namen bekommen.

Oder ein Stadt, die doch immer gleich lautend ausgesprochen wird, hat plötzlich viele Namen, so wie Gengä in Aserbaidschan, das auch Quengä heißt, oder Gence, oder Gändschä, und mehr. Ebenso wie der bekannte Kaukasus, der auch Kavkas heißt, oder QuafQas.

Wie praktisch für die Schulkinder, denn so ziemlich jede Schreibweise ist richtig. Etwas verwirrend ist  es allerdings für Besucher, die das gesuchte Reiseziel auf der Karte oder im Inhaltsverzeichnis eines Buches nicht finden!

In Weitfortistan ist man da tolerant: Auf jeder Milchpackung tummeln sich die Schriften in fröhlicher Vielfalt. Sagt da jemand, es gäbe eine politische Ausrichtung? Jede Milchpackung bezeugt das Gegenteil!

 

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