Wind aus dem Westen, Gas aus dem Osten – Europa sucht neue Energie

Jetzt wird sie mit Gas befülllt, die neue Ostsee-Pipeline,  auch North Stream genannt. Sie strömt vorbei an den baltischen Staaten. Russlands Chef-Akteur Putin triumphiert, das Risiko der Transitländer sei nun umgangen. Die Balten dagegen beklagen sich  bitter.

Musste Deutschland diesen Weg gehen, um seine Verbraucher mit hinreichend Gas zu versorgen? Für die nächsten zwanzig Jahre sind nun Produzent und Verbrauchermarkt röhrentechnisch fest miteinander verbunden. Wie sicher kann eine Energieversorgung sein, die  in einem so hohen Maße, nämlich schon jetzt fast 50 Prozent, aus den Quellen eines Landes gespeist wird?

Gas hat Russland sicher genug, und man kann davon ausgehen, dass die Lieferanten genügend Gas in die Röhre schicken – in ihrem eigenen Interesse. Aber welche politischen Folgen die Ostseepipeline haben wird, und  daraus erwachsen, das können wir heute noch nicht sehen. Deutlich ist, dass die ex-sowjetischen und neuen EU Staaten ausgebootet wurden. Russland triumphiert – und Deutschland riskiert neue Konflikte  innerhalb der EU.

Die Staaten der Europäer haben  unterschiedliche Voraussetzungen und Konzepte, wie sie genügend bezahlbare Energie beschaffen wollen. Es wird daher schwierig, ein gemeinsames Konzept zu erarbeiten. Doch dieser gemeinsame Energiemarkt und einen gesamteuropäische Energeipolitk sind dringend nötig.

Wenn Deutschland nach Fukushima verstärkt auf Erneuerbare Energien setzt, dann braucht es trotzdem und gerade deshalb mehr Gaskraftwerke. Sie könnnen schneller hochfahren als Kohlekraftwerke, sie produzieren Strom schnell und umweltfreundlich.  Sie stehen für die Grundlast  bereit, die bisher die zum großen Teil die Atommeiler bereit gestellt haben, und sie können in Zeiten großer Verbräuche schnell liefern. Die Gaskraftwerke werden für unsere Energieversorgung immer wichtiger, je mehr AKWs von Netz gehen. Deshalb sollte Deutschland nach weiteren Wegen für das dringend benötigte Gas suchen. Wo bleibt Nabucco? Aserbaidschan kann und will kaspisches Gas liefern. Hat der Georgien-Krieg das Projekt zerstört? Wo bleiben weitere Pipelines wie AGRI und TAP, die Europa mit Gas versorgen könnten? Warum gibt es noch immer keinen Flüssiggas-Terminal, über den Gas aus ganz unterschiedlichen Regionen der Welt  billiger nach Deutschland kommen könnte? Insbesondere in Zeiten wie jetzt, in denen es auf dem Weltmarkt ein Überangebot an Gas gibt.

Mehr Sicherheit für unsere Energieversorgung kann die Ostsee-Pipeline nur bringen, wenn noch weitere Quellen mehr Gas nach Deutschland liefern – durch Pipelines oder als Flüssiggas per Schiff.  Denn je weniger die Norweger liefern können, weil ihre Quellen langsam versiegen, desto mehr steigt die Abhängigkeit von Russland, von seinen Lieferungen und seinen Preisen. Europa braucht Gas aus dem Kaspischen Raum, wir brauchen Flüssiggas und wir brauchen eine gut koordinierte, europäische Energieversorgung. Erst dann wird unsere Energieversorgung sicherer.

Im Herbst soll über Nabucco entschieden werden.

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