Das Auto fährt und fährt. Von Berlin nach Breslau/Wroclaw dauert die Fahrt etwa vier Stunden. Wo war da eigentlich die Grenze? Scheinbar unbemerkt zog sie an uns vorüber, markiert nur durch Schilder. Sie verabschieden auf der einen und begrüßen auf der anderen Seite. Wo einst Visa-Anträge, Genehmigungen und Passstempel, Schlagbäume und strenge Kontrollen die Menschen voneinander trennten, sind es heute nur noch Markierungen am Straßenrand.
Als ich vor vielen Jahren Polnisch an der Uni gelernt habe, schien es eine Utopie, dass es je eine solche Sitution geben könnte.
Wer Politik für ein leeres Geschäft ohne wirksame Ergebnisse hält, sollte sich diese Veränderungen ansehen. Die Menschen haben freien Zugang zueinander, es fahren Autos und Züge ohne Halt und ohne Kontrollen von einem Land zum anderen.
Die Geschichte von Polen und Deutschland hat den Menschen in beiden Ländern viel Leid gebracht. Aber beide Länder haben heute eine gemeinsame Basis in der EU und in Schengen.
Die Unterschiede, aber auch die vielen Gemeinsamkeiten durfte ich – wieder einmal – bei einer Weihnachtsfeier mit Freunden in Breslau/Wroclaw erleben, eingeladen im Rahmen des Rotary Schüleraustausches. Auch wenn die Unsicherheit im Miteinander noch bleibt – es gibt eine gemeinsame Fremdsprache: Englisch. Es gibt gemeinsame Feiertage, wie Weihnachten und Ostern, es gibt die gemeinsame, europäische Hauptstadt – Brüssel, auch wenn Deutsche und Polen sie unterschiedlich wahrnehmen.
In Polen lebendig, in Deutschland fast verschwunden sind regionale Kulturen und Traditionen. Sie haben die Polen als Kulturnation zusammen gehalten, trotz Teilungen und Verschieben ihrer Grenzen.
Und trotz aller Unterschiede ist es ein großes Glück der Gegenwart, dass die einstige Grenze zwischen Deutschland und Polen keine trennende mehr ist.








