Rekordverdächtig – Bulgarien wählt heute zum 8. Mal in nur 5 Jahren eine neue Regierung. Man darf gespannt sein, wie hoch die Wahlbeteiligung sein wird. Wer macht sich nach so viel Politik-Frust noch weiter auf den Weg zur Urne? Doch bisher ist der Wille ungebrochen, irgendwann eine stabile Regierung in Sofia zu bekommen.
Der Grund für die stabile Instabilität ist ein typisches Phänomen, das es auch in anderen, früheren Sowjetrepubliken gibt oder gegeben hat. In Aufgrund seiner Geschichte hält es sich in Bulgarien besonders hartnäckig. Da sind beharrende Kräfte, die sich die alten Zeiten zurück wünschen. Und da sind die modernen, pro-europäischen Stimmen, die in den neuen Möglichkeiten gute Chancen für sich und ihre Zukunft sehen.
Dazu schickt Russland kräftig Propaganda in das sprachlich nahe verwandte Land, verunsichert und destabilisiert.
Besonders in Bulgarien ist, dass viele Menschen in Bulgarien bis heute eine tiefe Dankbarkeit zu Russland empfinden. Denn 1876 erhoben sich Anhänger der bulgarischen Nationalidee gegen die Türken, die das Land beherrschten. Erst mit der Unterstützung des Russischen Reiches konnten sie das “osmanische Joch” – wie es in Bulgarien oft heißt – ablegen und als Staat auferstehen. Geschichte zählt dort bis heute viel – und so sind viele den Russen bis heute sehr dankbar.
Für die EU ist es wichtig, dass Bulgarien eine stabile, pro-europäische Regierung hat. Denn über die Straßen und Brücken in Bulgarien rasen die LKWs zwischen Europa und China, die einst durch die Ukraine fahren konnten. Es ist jetzt das neue Tor nach Asien.
Warum die Wahl in Bulgarien für die EU heute so wichtig ist
p.s. Vor drei Jahren, 2023, durfte ich zwei Monate in Bulgarien recherchieren, mit dem Medienprogram Südosteuropa der KAS. Unter dem Stichwort “Bulgarien” gibt es hier viele Blogs.

