Erbitterter Wettstreit um Gas für Europa

South Stream und Nabucco – zwei Pipelines für einen Markt. Das kann sich nicht rechnen. Jetzt kämpfen sie um Kunden und Liefermengen. Beide können Gas liefern, doch der entscheidende Unterschied liegt in den Quellen: Nabucco liefert aus Aserbaidschan und dem Kaspischen Meer , South Stream aus russischen Quellen. Hier liegt der strategische Unterschied. Die eine Pipeline berührt werder russische Quellen noch russisches Gebiet, die andere Pipeline erhöht die von Moskau dirigierten Leitungen um weitere Prozent. Wenn Europa seine Quellen diversifizieren will, wenn es sich ein Quäntchen Unabhängigkeit erhalten will, muss es Nabucco bauen.

Die Konkurrenz um den Europäischen Gasmarkt darf auch als Grund für den Russland-Georgien-Krieg gesehen werden, s. Energiepoker rund um das Kaspische Meer:  http://www.kas.de/wf/de/33.15016/ Die Pipelines durch den Kaukasus sind Moskau ein Dorn im Auge. Weil Russland seine Vorherrschaft auf den Gasmärkten ausbauen will, plant es South Stream. Über 900 km soll Gas durch das Schwarze Meer fliessen, aus dem russischen Hafen Noworossijsk nach Bulgarien und weiter zum Verteiler nach Wien. Ende 2012 soll die endgültige Investitionsentscheidung fallen und der Bau 2013 beginnen. Mitglieder des Konsortiums sind neben Gazprom auch die deutsche Wintershall, die italienische Eni und die französische EdF. Die erste Pipeline soll mit einer Kapazität von 15,75 Mrd. Kubikmeter in Betrieb gehen, die restlichen drei Stränge würden bis 2018 folgen. Insgesamt soll South Stream mit rund 60 Mrd. Kubikmeter Gas liefern. Deutschland verbraucht jährich rund 95 Mrd. Kubikmeter.

Nabucco bringt rund 30 Mrd. Kubikmeter nach Europa, wenn sie gebaut wird, und darüber soll bis spätestens Jahresende entschieden werden. Die Zeit wird knapp. Schon jetzt jagt Kaspisches Gas durch den Kaukasus bis nach Erzurum in der Ost-Türkei. Die Strecke kann durch die Türkei bis nach Österreich verlängert werden und dann Gas aus Aserbaidschan, Turkmenistan und dem Irak nach Mitteleuropa bringen. 2017 soll die Förderung aus dem aserbaidschanischen Gasfeld Shah Deniz II anlaufen. Sollte Nabucco nicht gebaut werden, füllt das Gas eine der beiden europäischen Konkurrenzpipelines  ITGI oder  TAP nach Italien.

Beide Pipelines, Southstream und Nabucco, laufen durch die Türkei. Die spielt damit eine Schlüsselrolle für Europa.

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