Es gibt Dinge, die man kaum genug feiern kann, immer und immer wieder. So geht es wohl auch Kasachstan und Usbekistan. Zum 35. Mail feierten sie vor wenigen Tagen, dass sie seit 35 Jahren unabhängig sind.
Beide Staaten hatten sehr unterschiedliche Bedingungen, als sie sich 1991 für unabhängig erklärten. Die Sowjetunion löste sich auf, und jeder der früheren Sowjetstaaten musste schauen, wie es weitergehen sollte. Das war nicht leicht, denn die alten Sowjets hatten, strategisch clever, die Staaten ihres Imperium voneinander abhängig gemacht. Keiner konnte ohne mindestens einen anderen Staat – und das Wohlwollen der IMoskauer Obrigkeit, versteht sich.
Genau hier hatten einige Statten einen leichteren Start als andere. Kasachstan, reich an Kohle und Uran, Öl und Gas, konnte schnell seinen Platz auf den Märkten der Welt finden. Die Kasse füllte sich rasch – wenn auch mit einem gewissen Risiko. Die Lieferwege für Öl und Gas liefen und laufen über Russland – damals ein kleines, heute ein großes Problem. Denn nur solange Moskau es toleriert, kann Kasachstan sein Lieferungen in die üppig zahlenden westlichen Länder durchführen – bis heute. Als Transportroute zwischen China und Europa nimmt Kasachstan eine wichtige Rolle ein.
Usbekistan hatte es weniger einfach. Seine wesentliche Ressource war und ist die Baumwolle. Doch über Jahre boykottierten westliche Märkte die Lieferungen. Nur die östliche Hälfte Europas kaufte ein – wohl aus Tradition und über alte Lieferketten. Kinder- und Zwangsarbeit war für sie kein Grund, die Waren zu meiden. Sehr wohl aber nahmen westliche Ketten Abstand – bis 2018 eine landesweite Reform die Schüler und Studenten von den wochenlangen Ernte-Diensten verschonte. Drakonische Geldstrafen drohten denen, die sich nicht an die neue Vorschrift hielten.
Mit den Reformen stellte die neue Regierung in Taschkent (seit 2016) auch das Wirtschaftssystem um auf eine – noch regulierte – Marktwirtschaft um. Kaum hatten sich die Reformen herumgesprochen, taten sich neue Märkte auf. Doch auch hier gibt es bis heute eine Hürde aus alten Sowjetzeiten: Usbekistan hat keinen Zugang zu den Weltmeeren. Die Baumwolle und ihre Produkte, jetzt überwiegend im Land verarbeitet, können nur über Land zu den Kunden im Westen gelangen. Mit Hochdruck arbeiten Politik und Wirtschaft bis heute an Wegen zu den Häfen der Nachbarn – Pakistan oder Iran, oder auch Richtung Westen über das Kaspische Meer, den Kaukasus, und die Türkei bis nach Europa. Ein Tor zur Welt über einen internationalen Hafen wäre besser, und sicherer!
Gleizeitig setzt Usbekistan auf die junge Bevölkerung und gute Bildung. Seit wenigen Jahren baut es die digitale Wirtschaft aus. Internationale Schulen unterrichten Fremdsprachen, und sucht so die Kontakte zu anderen Ländern.
Beide Staaten haben also gute Gründe, ihre Unabhängigkeit zu feiern, aber die Vergangenheit spielt noch immer eine hinderliche Rolle.

