
Da lohnt sich ein genauer Blick: Der Präsident von Kasachstan, Kassym-Schomat Tokayew, hat am Wochenende Russlands Präsident Putin bei einem Gipfel in Omsk getroffen und ein Ende des Krieges in der Ukraine gefordert. Der als Diplomat ausgebildete Tokayew hat Geschick und Gewicht. Das macht Hoffnung auf eine erfolgreiche Mission.
Der Forderung schloss sich Weißrusslands Präsident Alexander Lukaschenko an. Dies berichten mehrere, auch russische Zeitungen.
Die Forderung an sich ist dabei nicht neu. Auf internationaler Ebene wird dies immer wieder gefordert. Neu aber ist der Grad an Öffentlichkeit, und dies in Russland. Neu ist insbesondere auch, dass der Präsident von Kasachstan sich offen für ein Ende des Krieges einsetzt und dies zu Protokoll gibt.
Tokayew und Putin kennen einander gut. Bis 2014 hatten sie eine enge, aufeinander abgestimmte Wirtschaft und Politik. Der gemeinsame Wirtschaftsraum beider Staaten war ein Argument, mit dem beide Investitionen anlockten.
Dann besetzte Russland den Osten der Ukraine. Ein Schock ging durch die ehemaligen Sowjetstaaten. In Zentralasien erwachten Ängste, auch im riesigen, aber dünn besiedelten Kasachstan, das eine mehr als 3000 km lange Grenze zu Russland hat. Wie konnte man sich vor derartigen, bösen Überraschungen schützen?
Die bis dahin unabhängigen und teilweise rivalisierenden Nachbarn machten wenig Hoffnung auf eine gute Koopertion. Schon die EU hatte sechs Jahre lang (2006-2012) ein Programm zur regionalen Zusammenarbeit in Zentralasien durchgeführt – mit wenig Erfolg. Doch die neue Situation erforderte neue Anstrengungen. Immerhin, einer gemeinsamen Erklärung gegen den Krieg schlossen sich alle fünf Staaten an, und auch Weißrusslands Präsident Lukaschenko.
Neue Zeiten der Kooperation in Zentralasien brachen 2016 an, nachdem Usbekistans Präsident Islom Karimov diese Welt verließ. Er hatte Usbekistan in starrer Isolation regiert, und damit auch weitere regionale Kooperationen blockiert.
Sein Nachfolger Shavkat Mirziyoyev vollzog eine völlige Kursänderung. Die nahm Kasachstans Regierung zügig zum Anlass für einen Besuch in Usbekistans Hauptstadt Taschkent. Die gute Atmosphäre und die gemeinsamen Interessen beider Länder nahmen Fahrt auf. Bis heute sind sie die Taktgeber der bereits festen, stetig wachsenden Zusammenrbeit aller fünf Staaten in Zentralasien (Kasachstan, Usbekistan, Turkmenistan, Kirgisistan, Tadschikistan). Tokayevs Stimme hat somit Gewicht. Er spricht nicht nur für Kasachstan, aber für die Region Zentralasien.
Weißrusslands Präsident Lukashenko hat es gewagt, sich der Forderung anzuschließen. Gewagt, weil er zwischenzeitlich um seinen Thron bangen musste. Nur mit Hilfe von Putins Ordnungskräften konnte er die Opposition im Land massiv unterdrücken. Die Loyalität zu seinem Helfer hielt lange. So durften russische Truppen im Süden Weißrusslands den Krieg in der Ukraine unterstützen. Jetzt scheint die Loyalität zu schwinden.
Wie es weiter geht, ist kaum zu sagen. Aber es mehren sich die Zeichen, dass ein Ende des Krieges für alle Beteiligten und indirekt Beteiligten die beste Lösung wäre. Je schneller, desto besser.

